Spezielle Themen und Probleme der Wohnungshaltung

Zu den Themen, die in einer Außenvolierenhaltung – meist auch noch verbunden mit einer Zuchtabsicht – nicht oder weniger bedeutsam sind, gehören unter anderem:

  • Die besonders enge Tier-Mensch-Beziehung, die sich aus den Erwartungen des Halters und aus dem direkteren und häufigeren Kontakt zum Tier ergibt. Tendentiell beschränken sich Menschen, die ihre Papageien in der Wohnung halten, seltener auf die Rolle des Beobachters und Pflegers.
  • Die oft daraus resultierende Vermenschlichung der Papageien, die zu einer Nichtbeachtung ihrer Bedürfnisse führen kann und langfristig meist auch zu einer Enttäuschung beim Halter.
  • Zähmung und Zahmheit des Papageien als eine Voraussetzung für das Zusammenleben und/oder als Wunsch des Halters, damit ein Papagei seine Bedürfnisse erfüllt.
  • Damit im Zusammenhang steht oft die Einzelhaltung als verbreitete Haltungsform sowie
  • die Handaufzucht als Möglichkeit, einen möglichst zahmen Papageien zu erhalten. Handaufgezogene Papageien sind vor allem in der Wohnungshaltung zu finden,  die Praxis der Handaufzucht hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen – nicht  zuletzt deshalb, um die Nachfrage nach zahmen, für die Wohnungshaltung geeigneten Tieren  zu entsprechen.

Weitere besonders für die Wohnungshaltung interessante Themen sind

 

  • Die Möglichkeiten der Erziehung von Papageien.
  • Die Vergesellschaftung eines Vogels mit Vögeln anderer Art.
  • Die Vermeidung der Fortpflanzung und damit im Zusammenhang
  • die gleichgeschlechtliche “Verpaarung”

Probleme, die sich vor allem in der Wohnungshaltung finden, sind:

  •  Gesundheitliche physische Probleme:
    Bspw. tritt Aspergillose vor allem bei der Haltung in geschlossenen Räumen auf, sehr viel seltener in einer Freivolierenhaltung mit viel Frischluft und mehr Flugmöglichkeiten für die Vögel.
    Ebenso ist Übergewicht und Verfettung mit ihren möglichen Folgeerscheinungen (Schädigungen der inneren Organe) vor allem in der Wohnungshaltung zu  beobachten.
  •  Psychische Probleme:
    Dauerschreien und Autoaggressionen wie Rupfen und Autokannibalismus als  Verhaltensstörungen treffen ebenfalls meist Papageien in Wohnungshaltung, vor allem solche in Käfig- und Einzelhaltung.

sich rupfendes Mohrenkopfpapageienweibchen

  • Weitere Verhaltensprobleme:
    Verpaarungsprobleme, Aggressionen gegenüber Menschen, Dauerlegen sind ebenfalls Probleme zwar nicht ausschließlich der Wohnungshaltung, doch unter ihren speziellen Bedingungen besonders häufig und schwieriger lösbar.

All diese und weitere Probleme können vielleicht grundsätzlich an dem speziellen Haltungssystem Wohnzimmer/Käfig liegen, weil es für Papageien einfach ungeeignet ist.
Sicher ist meines Erachtens, dass den Bedürfnissen von Papageien in einer Außenvolierenhaltung in vielen Fällen leichter Rechnung zu tragen ist als in der Wohnungshaltung. Hier ist der Aufwand, den ein Halter betreiben muss, nicht selten deutlich größer.

Leider kommt bei der Wohnungshaltung von Papageien oft noch hinzu, dass bei vielen dieser Halter eine nur geringe und oftmals ungenügende Kenntnis von den Bedürfnissen und Ansprüchen der unterschiedlichen Vertreter dieser Gattung vorausgesetzt werden kann.

Jemand, der auf seinem Grundstück eine Außenvolierenanlage errichtet, hat meist entweder das Stadium der Wohnungshaltung bereits hinter sich gelassen (und oft genug als untauglich erkannt) oder aber sich bereits intensiver mit der Thematik der Papageienhaltung auseinandergesetzt.

Bei der Wohnungshaltung  jedoch passiert es leicht, dass ein Tier in einer Zoofachhandlung samt Käfig und etwas Futter gekauft wird, ohne dass der Käufer sich vorher selbst ausreichend informiert hat bzw. vom Verkäufer ausreichend informiert wurde.

Der Halter kann dabei auch durchaus den Eindruck haben, bereits ausreichend informiert zu sein: denn leider finden sich auch jene erwähnten zahlreichen Sachbücher auf dem Markt, die nicht oder nur sehr unzureichend auf entstehende Probleme hinweisen und damit beim Halter den Eindruck erwecken, er sei mit der Lektüre des Buches gut informiert und eine weitere Information sei gar nicht notwendig.

Die Unkenntnis des Halters wirkt sich natürlich entscheidend auf das Haltungssystem im Wohnzimmer aus, das andernfalls etwas art- und tiergerechter wäre.
Hier kann ich nur den Tipp geben, soviel an Literatur wie möglich zu lesen und es auch nicht bei der Lektüre dieser einen Website zu belassen.

Um aber kein Missverständnis aufkommen zu lassen: das heißt nicht, dass alle Halter von Papageien im Wohnzimmer unzureichende Kenntnisse besitzen – ebenso wenig wie es heißt, das alle Halter und Züchter von Papageien in Freianlagen ausreichende Kenntnisse haben. Lediglich eine gewisse Tendenz läßt sich feststellen, denn die Wohnungshaltung ist meist der Beginn der Papageienhaltung.
Aber das Bild der privaten Papageienhaltung in der Öffentlichkeit wird manchmal von jenen geprägt, die sich nur wenig mit der Thematik beschäftigten, deren Haltung  unzulänglich ist – und möglicherweise sind sie auch noch in der Mehrzahl.

Von daher wird weitergehend sogar die Forderung erhoben, die Haltung von Papageien, zumindest von bestimmten Papageienarten, in Privathand zu verbieten, wenigstens aber einen schärferen Nachweis der Sachkunde zu verlangen (s. z.B. die Grundsätze des  Papageienschutz-Centrum Bremens; vgl.Stellungnahme des Deutschen Tierschutzbundes zur Haltung von Exoten, PDF-Download: Positionspapier des Deutschen Tierschutzbundes zur Haltung von Exoten).

Rüdiger Stehn
Thema: Haltung und Pflege / Schlagwort: , , , , , . Lesezeichen auf den Permalink.

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